Duden - Deutsche Rechtschreibung: Die erste Hürde in der Bewerbung?

UMfahren oder umFAHREN? Die Tücken der deutschen Sprache (Part 1)
Schon einmal darüber nachgedacht, dass das Wort „umfahren“ zwei Bedeutungen hat? Einmal weicht man jemandem aus und einmal fährt man über jemanden drüber.
Do, 4. Okt 2018

Muttersprachler benutzen das Wort intuitiv, geraten aber ebenso ins Grübeln, wenn sie mal genauer darüber nachdenken. Und damit nur ein Highlight aus dem Labyrinth unserer Sprache.

Vorneweg: wer behauptet, nie einen Fehler in Grammatik oder Rechtschreibung zu machen, schwindelt vermutlich ein wenig. Auch ich, in diesem Moment einen Blog über die geschriebene Sprache schreibend, bin nicht allwissend und hin und wieder schummelt sich ein falscher Buchstabe ein oder ein Komma geht verloren. Das ist nicht gut, aber das ist so. Präventiv kann man Korrekturprogramme über den Text laufen lassen oder Zweitleser engagieren und trotzdem gibt es kleine hartnäckige Fehler, die sich bei jedem Lesen irgendwie durchmogeln.

Man grübelt über richtige Rechtschreibung

In Zeiten von Digitalisierung, Blogs auf Websites und unzähligen Social Media Beiträgen wird die Sprache, hier in Form von Texten, immer wichtiger. Das Internet ist frei zugänglich und jedem steht frei, sich durch die Abermillionen von Zeilen zu lesen. Ebenso steht jedem die Kommentierfunktion frei: so ist ein kleiner Fehler oft Anlass, einen an sich inhaltlich guten Text wegen eines falschen Wortes oder Interpunktion bis ins Letzte zu zerreißen.

Auch bei offiziellen Schreiben oder auch der Bewerbung liefert man den ersten Eindruck über die Qualität bzw. über die Fähigkeit, der Rechtschreibung mächtig zu sein, ab.
Und genau deshalb, weil es einfach extrem wichtig ist, arbeiten wir jetzt nach und nach Bereiche aus dem Themengebiet auf. Wenn es, wie bei mir, doch schon eine Weile her ist, dass man die Schulbank gedrückt hat (oder wer, ebenso wie ich, noch die alte Rechtschreibung gelernt hat), kann es nicht schaden, die Basics einmal wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Und wenn jetzt schon alles sitzt, umso besser!

„Das schreibt man aber groß“

Groß- und Kleinschreibung…eigentlich ja ganz einfach. Substantive schreibt man groß, auch Namen und Städte….und auch Substantivierungen (die Einzige, der Beste…).
Das ist die blanke Theorie.
In der Realität passiert das Folgende:
Man nutzt sein Smartphone und einen der gängigen Nachrichtendienste. Im Eifer des Gefechts und des wilden Textens muss es schnell gehen. So verzichtet man gerne mal auf die Hochstelltaste, um den 1. Buchstaben richtig, also groß, zu schreiben. Ist ja nicht so dramatisch, mag der erste Gedanke sein, ist ja nur eine kurze Nachricht. Allerdings gewöhnt sich der Körper (und der Kopf) an Routinen, so verschwindet die Bedeutung nach und nach und selbst in gewöhnlichen Texten findet man komplett kleingeschriebene Absätze.
Dass Groß- und Kleinschreibung durchaus sinnvoll sind, zeigen die nachfolgenden erheiternden Beispiele:

Die spinnen.
Die Spinnen.

Beschädigte liegen in meiner Wohnung.
beschädigte Liegen in meiner Wohnung.

Der gefangene Floh.
Der Gefangene floh.

Vor dem Fenster sah sie den geliebten Rasen.
Vor dem Fenster sah sie den Geliebten rasen.

Musst Du auch jedes Mal wieder schmunzeln, wenn du solche Beispiele liest? Ich ja schon.

„Du bist die Einzigste für mich“

Rechtschreibfehler Hürde 1 genommen: Substantivierung erfolgreich gemeistert.
Hürde 2 gerissen: „Einzigste“ gibt es nicht. Egal wie oft man es hört, es bleibt falsch.

Entlarvt wurden hier ein nicht steigerbares Adjektiv, also ein Hyperlativ und eine nicht zulässige Komparationsform. Theoretisch ist das ganz einfach erklärt: wenn man etwas steigert, was nicht zu steigern ist, so ist es regelwidrig.

In der Praxis sieht es hingegen gar nicht mehr so einfach aus. Ein Fehler ist sogar inzwischen in den gängigen Fachjargon im Personalwesen etabliert. „Zur vollsten Zufriedenheit“  hat Mitarbeiter xy bei der Firma abc gearbeitet. Dieses Lob ist eine Anerkennung in Arbeitszeugnissen, grammatikalisch aber leider falsch.
Noch mehr? Kein Problem!
Tot | schwanger | fertig | kein | leer | …usw.
Und? Ertappt?

„Ich bin viel schlauer als wie du“

Wirklich? Wenn Leute schlauer „ als wie“ ich sind, liegt die Kernkompetenz vermutlich nicht in der Grammatik.
Zugegeben, umgangssprachlich ist es nicht immer unbedingt sofort zu erkennen, wann „als“ und wann „wie“ richtig ist, aber mit den folgenden Regeln, wird es sicher einfacher.

1.    Wie…
…nutzt man, wenn man eine Gleichheit ausdrücken will.
Bsp.: genauso schlau wie Claus | genauso gesund wie ein Apfel

2.    Als..
…nutzt man, wenn man eine Ungleichheit ausdrücken will, also wenn Dinge unterschiedlich sind.
Bsp.: Claus ist klüger als Lisa | Klara ist größer als Max

3.    Als wie..
…nutzt man einfach NIE!

Vermutlich ist das Meiste sofort bekannt gewesen, aber manchmal, zumindest geht es mir so, muss man doch mal darüber nachdenken, wie es richtig geht.
Aber da das Thema unerschöpflich ist, melde ich mich bald damit zurück, also seit…äh seid…äh seidt…äh…wie jetzt…gespannt! Dazu beim nächsten Mal!